Uns in der Victoria Community interessieren unterschiedliche Lebensentwürfe und starke Frauen. Wie Martina Fischer. Die 48-Jährige ist gelernte Krankenschwester – und arbeitet im Sommer als Sennerin. Wir möchten euch diese außergewöhnliche Frau unbedingt vorstellen und haben sie zu einem Gespräch getroffen.

Zu Hause auf der Alm

Von Juni bis September sind die Berge Martina Fischers Heimat. Dann lebt sie als Sennerin auf einer Alm in den bayerischen Alpen. Steht vor Sonnenaufgang auf, melkt die Kühe, macht Käse und geht weit nach Sonnenuntergang ins Bett. Ein Leben voller Entbehrungen, das der Krankenschwester Kraft für ein ganzes Jahr schenkt.

Butter machen, Kühe melken, Rinder hüten – das Leben als Sennerin

Pünktlich um halb fünf klingelt morgens auf 1.400 Metern Höhe ein Smartphone-Wecker. Er scheint nicht so recht ins Bild zu passen, denn ansonsten geht es auf der 1864 erbauten Krottenthaler Alm rustikal zu. Das eiskalte Wasser zum Duschen kommt aus dem Gartenschlauch, das Plumpsklo befindet sich über dem Misthaufen und Wärme spendet ein Holzofen, den Martina Fischer jeden Morgen als Erstes befeuert. Dann versorgt die 48-jährige Sennerin ihre Katze Maunzi, wäscht ihre 13 Kälber, melkt die zwei Kühe, füttert die Hühner, Schweine und Ziegen, schlägt Butter und macht Käse und Quark. Und das alles noch vor dem Frühstück um neun. Danach geht es weiter: Martinas 50 Rinder, die sich frei auf dem 130 Hektar großen, steilen Almgelände bewegen, müssen gezählt werden.

Eine Aufgabe, die täglich mehrere Stunden dauert und viel Kraft kostet. Zwischendurch kontrolliert Martina Brunnen und Zäune, jätet Unkraut, backt Brot und schaut immer mal wieder nach ihrem

Käse. Ein Fulltime-Job, der sich bis in die späten Abendstunden zieht, den die Sennerin jedoch über alles liebt. „Hier oben auf der Alm ist die Hektik aus dem Tal ganz weit weg. Hier komme ich zur Ruhe und bin ganz bei mir“, sagt sie.

Sennerin auf der Alm: das Verlangen nach Ruhe

Um diese Ruhe hatte Martina früher immer die Almwirte beneidet, die sie beim Wandern traf. „Wieso sind sie bloß so zufrieden, obwohl sie mit so wenig auskommen müssen?“ hatte sie sich gefragt, bis sie die Chance bekam, auf der Alm einer Freundin auszuhelfen. Ein Aha-Erlebnis! „Auf einmal war da eine Sehnsucht in mir, die ich gar nicht kannte und die mich nicht mehr losließ“, erzählt Martina. Sie bewirbt sich als Sennerin auf der Alm, bekommt den Job und lässt ihr Leben im Tal für einen Sommer hinter sich. Inzwischen sind neun Sommer daraus geworden und aus Martina eine routinierte Almbäuerin.

Sennerin werden? „Ich kriege das hin!“

Die Chiemgauerin weiß, wie man richtig guten Käse herstellt, wie man Kühe mit der Hand melkt, welche Kräuter einen positiven Einfluss auf den Menschen und den Organismus ausüben. Ob Beinwell oder Dost – wenn die Sennerin nach einem anstrengenden Tag Gelenk- oder Rückenschmerzen plagen oder ihr Magen verstimmt ist, weiß sie sich zu helfen. Außerdem ist Martina gelernte Krankenschwester.

In ihrem zweiten Leben, das von September bis Juni dauert, arbeitet nicht als Sennerin auf der Alm, sondern im Tal als mobile Pflegekraft. All die Fähigkeiten, die sie auf der Alm benötigt, hat sie sich selbst beigebracht, auch wenn sie aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt und mit Tieren aufgewachsen ist. Angst vor all den neuen Herausforderungen hatte sie nie: „Ich dachte mir, wenn andere das schaffen, kriege ich es auch hin.“ Und die Einsamkeit auf der Alm? „Ich fühle mich gar nicht einsam“, sagt Martina. „Ich habe ja meine Tiere, mit denen ich jeden Tag kommuniziere.“ Hin und wieder sieht sie ihren Freund, der auf einer Nachbar-Alm ebenfalls als Senner arbeitet.

Sennerin sein heißt auch: Luxus neu schätzen lernen

Im September kehrt Martina zurück in ihr altes Leben. Ein Leben, das lauter ist, hektischer. Ihr Grund, Sennerin zu werden. „Die Arbeit mit den Patienten als Pflegekraft ist anstrengend“, sagt Martina. Die Zeitfenster sind eng, der Druck zu hoch. Doch dank dieser Arbeit kann es sich die Chiemgauerin leisten, ihre Sommer als Sennerin auf der Alm zu verbringen, wo sie nur wenig Geld verdient. Und ein bisschen Luxus im Tal ist ab und an auch noch drin. Schick essen gehen zum Beispiel. Eine heiße Badewanne. Ein schönes Zuhause. All diese Dinge schätzt Martina heute viel mehr als vor knapp zehn Jahren. Denn sie weiß, dass sie nicht selbstverständlich sind.

Und wenn der Zeit- und Termindruck mal wieder zu groß wird, dann schöpft sie Kraft aus dem Wissen, dass es schon bald wieder anders sein wird. Dann, wenn sie sich morgens um halb fünf mit dem Gartenschlauch Wasser ins Gesicht spritzt, mit kalten Zehen zum Holzofen huscht und zum fünften Mal in der Woche mittags ein Käsebrot isst. Und wenn die Hand der Sennerin durch das warme Fell eines Kälbchens streift, kein Geräusch außer dem leisen Schnauben ihrer Rinder zu hören ist und sie am Ende des Tages die Sonne rosarot hinter den Bergen untergehen sieht, dann ist klar: Niemals würde sie dieses Leben für ein anderes eintauschen. Zumindest nicht bis zum nächsten September.

Mit Nina Ruge hat Martina ausführlicher über die Themen Glück, Dankbarkeit und auch die Liebe auf der Alm gesprochen. Das ausführliche Interview findest du hier.

Natur pur

Im Einklang mit der Umwelt nachhaltig zu leben – das ist ein Anspruch, dem auch viele Produkte immer stärker nachkommen.

Natürlich schön. Die Haarpflegeserie Herbal Essences PURE:renew Marokkanisches Arganöl bestehend aus Shampoo, Pflegespülung und Haarmaske ist zu 90 % natürlichen Ursprungs. Die Inhaltsstoffe Arganöl, Aloe und Seetang sowie aktive Antioxidantien reinigen und schützen das Haar.

Nachhaltig verpackt. Der Gillette Venus Rasierer ist jetzt plastikfrei und recycelbar im Karton verpackt. Die Handstücke sind zudem aus langlebigem Metall oder recyceltem Plastik.

Sennerin Martina Fischer: Meine Tipps für mehr Ruhe im Alltag

  1. Sich auf den Moment konzentrieren. Dinge ständig parallel zu erledigen, das klappt nicht. Auch Forscher sagen: Multitasking ist ein Mythos. Darum: Erst die To-do-Liste schreiben und dann einen Punkt nach dem anderen angehen.
  2. Für Ruhe sorgen. Lärm ist ein Stressfaktor, der zu Bluthochdruck und Kreislaufbeschwerden führen kann. Geht raus in die Natur, wann immer es geht. Oder zwischendurch Noise-Cancelling-Kopfhörer aufsetzen und Waldsound auflegen.
  3. Sich körperlich auspowern. Das hat den gleichen Effekt wie ein aktiver Tag in den Bergen: 30 Minuten Ausdauersport. Wenn wir uns bewegen, macht uns das glücklich und das Stresszentrum hat Pause. Kurz: Der Kopf wird frei!

Mit Tieren auf einer Alm arbeiten, Cocktails mixen an der Bar in der Südsee oder doch lieber Ruhestand in der City – von was träumst du? Wir freuen uns über deinen Kommentar!