Hast du schon die bewegende Geschichte von Petra gelesen? Sie hat viele Schicksalsschläge überwinden müssen: ein toxisches Elternhaus, früh Alleinerziehende zweier Kinder, betrogen von der besten Freundin und eine schlimme Krebsdiagnose. Doch sie stand immer wieder auf, lernte, optimistisch zu bleiben und möchte nun mit ihrer Story andere inspirieren. Nina Ruge traf sie beim Victoria Filmdreh in Berlin, lernte sie besser kennen, und freundete sich mit ihr an – Einladungen zu einem gemütlichen Kaffeetrinken bei Petra zu Hause inklusive.

Nina: Wir haben viel von dir gelesen. Wärst du eine glücklichere Frau, wenn du es einfacher gehabt hättest?

Petra: Ich vermute nicht. All das, was ich erlebt habe, hat mich zu der Frau gemacht, die ich bin. Jede gemeisterte Hürde hat mich stärker gemacht. Ich stehe heute hier, so wie ich bin, aufgrund dieser Erfahrungen.

Nina: Wie hast du es geschafft, deinen Selbstwert nicht zu verlieren, aus den Tiefs herauszukommen und Schicksalsschläge zu überwinden?

Petra: Ich musste mein Selbstwertgefühl erst finden, das lag als Kind nämlich eher bei Minus 100. Und das hat lange gedauert. Aber je älter ich wurde, desto mehr habe ich daran gearbeitet, zum Beispiel in einer Gruppentherapie und in vielen Gesprächen mit guten Freunden. Doch mich selbst zu lieben und außen und innen so anzunehmen, wie ich wirklich bin, habe ich erst mit 50 gelernt. Über die Trennung von meinem Mann bin ich erst seit Anfang dieses Jahres hinweg. Ich war so festgefahren in meinen Gedanken und in dieser negativen Energie. Zu Silvester habe ich mir dann einen Leitspruch für das kommende Jahr gesucht: Das Rechthaben sein lassen und stattdessen wieder glücklich werden! Aus der Opferrolle raus wieder in die Freude gehen. Und so platt das jetzt klingt, genau das habe ich getan und mir gesagt: Ich muss mit mir selbst glücklich sein, und alles andere wird sich fügen.

Nina Ruge und Petra Kurschat lachen viel im Interview – Petra musste erst mal viele Schicksalsschläge überwinden, bevor sie das wieder konnte.

Nina: Eine deiner „Überlebensstrategien“ dabei waren und sind deine wunderbar geknüpften Netzwerke. Wie helfen sie dir?

Petra: Für mich ist die Zugehörigkeit zu einem Netzwerk, einer Gruppe von Menschen, unheimlich wichtig, deshalb gründe ich wahrscheinlich seit Jahren immer wieder welche. Sie geben mir gerade in einer Großstadt wie Berlin eine unheimliche Sicherheit und Geborgenheit, wie wir modernen Menschen sie kaum mehr kennen. In meiner Kaffeegruppe sind beispielsweise Frauen und Männer im Alter von 24 bis 77, es ist wie in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Wenn ich ins Café gehe, weiß ich, es ist immer jemand da, den ich kenne. Inzwischen feiern wir Geburtstage zusammen, treffen uns auch abseits von Espresso und Cappuccino. Das gibt mir ein Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt. Und ganz ehrlich? Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass wir vor einem Jahr einsame Leute im Lockdown waren und uns gar nicht kannten.

Nina: Viele unserer Leserinnen leben auf dem Land und denken sich vielleicht, mit diesen fünf Leuten hier möchte ich mich nicht auch noch auf einen Kaffee treffen. Was sagst du dazu?

Petra: Das ist Quatsch. Wir müssen dafür ja nicht ins Café gehen, wir können uns online genauso auf die Suche nach Anschluss begeben. Es gehört ein bisschen Mut dazu, zuzugeben, dass man jemanden zum Reden sucht. Aber jede Frau, jeder Mensch kann sich selbst darum kümmern, Anschluss zu finden. Sollte sie sogar!

Nina: Mit Freunden teilt man seine Hochs und Tiefs. Aber hast du auch schon mit völlig Fremden deine Ängste geteilt und Schicksalsschläge überwinden können?

Petra: Mit 16 Fremden sogar! Mir wurde vor ein paar Jahren ein Therapeut empfohlen, der aber für Einzelsitzungen ausgebucht war. Stattdessen hatte er gerade eine neue Gruppentherapie begonnen. Zuerst war ich sehr, sehr skeptisch und musste das Vertrauen in so eine Gruppe erst lernen. Aber voreinander wirklich sein Innerstes nach außen zu kehren, das macht etwas mit dir. Zuerst war ich oft voller Scham, aber dann habe ich erkannt, wie wertvoll es ist, wenn dich jemand so gut kennt, dass du einfach du selbst sein kannst, mit allen Ängsten, Erlebnissen, mit allem, was dazugehört. Ich trage mein Herz ohnehin schon immer auf der Zunge, aber meine Erfahrung ist, dass wenn du dich selbst öffnest, sich auch andere dir gegenüber schneller öffnen und ihr über bloßen Smalltalk hinauskommt. Davon profitieren dann alle.

Nina Ruge und Petra Kurschat lachen viel im Interview – Petra musste erst mal viele Schicksalsschläge überwinden, bevor sie das wieder konnte.

Nina: Wenn man dann wie du eine schwere gesundheitliche Diagnose bekommt, ist man damit trotzdem erst mal allein.

Petra: Ich musste auch erst lernen, damit umzugehen. Das war hart! Mein Vater war in dieser Zeit sehr für mich da, aber natürlich habe ich mir, als ich im Krankenhaus lag, manchmal einen Partner gewünscht, der nun einfach für mich übernehmen kann. Ich glaube aber, dass mir die Krankheit auch die Augen geöffnet hat. Ich schätze das Leben noch so viel mehr und genieße Momente ganz anders. Ich habe viel zu oft in meinem Leben Dinge aufgeschoben, aber ganz ehrlich? Du weißt nie, wie viel Zeit dir bleibt. Ich glaube, viele von uns haben Angst, irgendwann eine Diagnose zu bekommen und zu erfahren, dass all diese geparkten Dinge jetzt gar nicht mehr möglich sind. Ich lebe jetzt viel intensiver, radikaler, glücklicher!

Nina: Und wenn du zurückschaust, worauf bist du besonders stolz?

Petra: Meine Kinder sind mit Abstand das Beste in meinem Leben. Ich habe auch viel Tiefe und kann dadurch die Gefühle anderer sehr gut nachempfinden, was mir sehr wichtig ist. Und ich bin auf die letzten zwei Jahre stolz – meine Jahre über 50 sind einfach so, so viel besser! Natürlich sehe ich im Spiegel eine ältere Frau als früher, aber von innen fühlt es sich an wie 20. Alter findet in meinem Kopf einfach nicht statt.

Nina: Vielen Dank, Petra, für dieses wunderbare Gespräch.

Petras Tipps für dein eigenes Netzwerk

  • Mutig sein! Du triffst jeden Tag beim Bäcker oder im Café die gleichen Leute? Sage „Guten Morgen“, lächle, so entstehen Gespräche und erste Kontakte. Der Mut wird sich auszahlen!
  • Für Kontinuität sorgen. Wer sich regelmäßig trifft, hat eine gute Chance, sich anzufreunden. Sei ruhig die Initiatorin, frag nach Handynummern und gründe einen Gruppenchat. So bleibt man in Kontakt.
  • Nichts erzwingen. Wir können uns noch so sehr bemühen, manchmal passt es zwischenmenschlich einfach nicht. Das gilt es zu erkennen und dann auch konsequent zu sein. Keine Chance für Energievampire!

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