Du möchtest noch einmal neu durchstarten? Dann lasse dich nicht aufhalten, sondern von den Geschichten starker Frauen inspirieren, die ihre Träume vom Neubeginn wahr gemacht haben.

Eigentlich würde ich das so gerne versuchen, aber… Wer von uns hat diesen Satz noch nicht erzählt? Vorbei mit dem „Aber“, diesem Traumzerstörwort! Jede von uns kann ihr Leben ändern, wir sind die Autorinnen. Fürs Gelingen braucht es zwei Zutaten: Selbstliebe und die richtige Einstellung. Damit wird kein Mensch geboren. Jeder muss diese Optionen bewusst für sich wählen. Sich selbst zu mögen und glücklich im Leben zu sein, ist eine Entscheidung. Hildegard Knef sang uns die Wahrheit schon vor über 50 Jahren zu: „Für mich soll’s rote Rosen regnen …“

Und wann, wenn nicht jetzt? Jetzt ist die beste Zeit. Wir wissen, was wir wollen, und müssen anderen nicht mehr gefallen. Lass uns mutig sein, etwas riskieren, ein Abenteuer ins neue Glück wagen. Fallen wir hin, lernen wir daraus und machen weiter. Jede Hürde ist eine Chance und irgendwann ist unser Traum Wirklichkeit. Und dann staunen wir, welchen Unterschied wir machen, wie stark wir wirken. Die fünf inspirierenden Frauen aus diesem Beitrag liefern bezaubernde Beispiele dafür, was alles möglich ist. Selten haben mir Interviews mehr Freude bereitet. Die Frauen steckten mich an – mit ihrer Begeisterung, ihrem Lachen, ihren Ideen. Und endlich bekam ich eine einfache Antwort auf die große Frage, wie das schöne Leben geht: Einfach machen! Mit dem ersten Schritt anfangen.

ANNA VONNEMANN, 70

Eine Erfindung, die das Schicksal verändert
Anna glaubt nicht an Grenzen. Für sie ist jedes Problem lösbar. Und erst recht, wenn es um das Schicksal ihrer Tochter geht. Dindia ist von Geburt an halbseitig gelähmt, aufrecht gehen kann sie nicht. Sie stürzt, hat Schmerzen, leidet unter Spastiken. Als die Ärzte Dindia, damals zehn Jahre alt, sagen, sie sei austherapiert, es bleibe ihr nur der Rollstuhl, wird aus Anna, damals 50 und freischaffende Künstlerin, eine Erfinderin und Unternehmerin, die die Welt der Tochter, ja von Menschen weltweit, verändern sollte.

Prototyp aus dem Baumarkt
Was Dindia braucht, kann der Markt nicht bieten: eine Art Wasserwaage, die sie im Gleichgewicht hält. Also kauft sich Anna Drähte, Schalter und Taschenlampe und fängt zu tüfteln an. Drei Monate später ist der erste Prototyp fertig. Mit Professoren und Studenten der TU Berlin entsteht die zweite Version und 2011 schließlich die zehnte und finale: der „ReMoD“, das Bio-Feedback-Gerät, das vor dem Stürzen bewahrt. Er wird Dindias persönlicher Geh-Coach, mit ihm lernt sie, aufrecht zu gehen. Musste Anna ihre Tochter früher waschen und anziehen, schafft Dindia nicht nur das heute selbst. Nach dem Abitur zieht sie aus, reist von Afrika bis an den Amazonas, macht zwei Uniabschlüsse. Bei der Mutter meldet sie sich ab und zu per WhatsApp mit: „Läuft“. Worauf die ihr Unternehmen „ReMoD“ gründet. Heute wird der Geh-Coach in Serie produziert und ist auf dem weltweiten Markt zu haben – für jeden, der neu gehen lernen will. Sie sagt: „Ich tat einfach das, was nötig ist. Nur den nächsten Schritt.“ Machte sie einen Fehler, machte sie weiter. „Was denn sonst?“

HEIKE EULITZ, 52

Die Forschung spielt jetzt die Hauptrolle
Als 10-Jährige macht sie ihre Lehrerin nach und die Klasse brüllt vor Lachen. „Da merkte ich, dass ich ein Talent habe“, sagt Heike. Sie studiert Schauspiel, spielt an diversen Theatern, mal Pippi Langstrumpf, mal das Gretchen. Dann läuft ihr Vertrag aus und sie spielt ihr letztes Stück: mit Menschen mit Demenz. „Ich war fasziniert von diesen ehrlichen und beeindruckenden Persönlichkeiten.“ Mit 46 Jahren schreibt sich Heike für die Gerontologie, die Lehre des Alters und des Alterns, an der Uni Vechta ein.

Ein Luxus – trotz der Strapazen
Um 4:30 Uhr steht sie auf, pendelt 130 Kilometer zur Uni, oft ist sie nicht vor Mitternacht zu Hause. Dennoch sagt sie: „Mein neues Leben ist ein großer Luxus.“ Als freie Schauspielerin musste sie zahllose Klinken für jede Mini-Rolle putzen, als Studentin darf sie so viele Stunden lernen, wie sie will – und das kostenlos. Sie engagiert sich im Fachrat und fährt mit ihren Kommilitonen zu Kongressen. Seit November lehrt und forscht sie und macht ihren Doktor. Dass sie keine 40 Jahre mehr arbeiten wird, macht ihr nichts aus: „Selbst, wenn ich keinen einzigen Tag mehr arbeiten sollte, würde ich es sofort wieder tun“

KARIN KALISA, 55

Wenn das Kopfkino heimlich schon läuft
Als der Dekan noch vor ihrer Bewerbungsrede einnickt, ahnt sie es bereits: Das wird nichts mit der Professur. Die vergangenen Wochen Tag- und Nachtarbeit voller Seminarplanungen und Forschungsexposés würden vergebens gewesen sein. Später erfährt Karin, dass die Stelle längst vergeben war und die Jury-Männer sie nur pro forma eingeladen hatten. Die Leidenschaft der Wissenschaftlerin, die über asiatische Sprachen, philosophische Denkfiguren und ethnologische Beschreibungen an allen Berliner Universitäten gelehrt hat, wich der Ernüchterung. Zwar arbeitet sie weiter an der Uni, nur ergänzt sie diese Arbeit um eine neue: Sie schreibt ihre erste literarische Geschichte auf – heimlich, nebenbei und zwischendurch.

Schreiben kann man überall
Den Stoff für die Geschichte hat sie seit Langem im Kopf, dort spielt sich schon der Film ab – über Vietnamesen in Berlin und die Frage: Was machen die Gastarbeiter mit den Berlinern und umgekehrt? Nach acht Monaten setzt sie den Schlusspunkt, schreibt Dutzende Verlage an – es folgen Absagen, keine Reaktionen. Ein Lektor aber schreibt: „Interessanter Stoff, schweres Thema leicht verpackt, voller Witz und Wärme – verlegen wir.“ Ein Jahr später liegt „Sungs Laden“ in den Buchhandlungen, wird ein Bestseller und Karin lernt die Welt des Literaturbetriebs kennen: Messen, Interviews, Lesungen. Die Einsamkeit des Schriftstellerlebens macht ihr nichts aus: „Meine Figuren sprechen mit mir.“

ANITA HENZE-LENTZ, 86

Ihre Marathon-Bestzeit lief sie mit 80
Diabetes, Osteoporose, Gelenkrheuma? Fremdwörter für Anita. Einen Arzt brauchte sie zuletzt 1970 – zur Geburt ihres Kindes. Das Rezept für ein gesundes Leben verordnet sie sich selbst: immer in Bewegung bleiben. Als sie mal bei einem Stadtlauf viele Senioren laufen sieht, denkt sie sich: „Was die können, das kann ich auch.“ Sie wusste sich in bester Verfassung. Nie hat sie geraucht, sie isst vegetarisch und schlank ist sie auch.

Die Rentnerin holt Gold
Mit 60 schnürt sie sich zum ersten Mal die Laufschuhe und fängt das Training an. Seitdem läuft sie zweimal pro Woche zehn Kilometer mit ihrem Sportverein. An zwei anderen Tagen trainiert sie Muskeln und Koordination mit Hanteln und Aerobic. Drei Trainingsjahre später läuft Anita ihren ersten Marathon, 42 Kilometer und 195 Meter. „Auf den letzten Metern glaubte ich, über den Asphalt zu fliegen.“ Mit hochgestreckten Armen läuft sie durchs Brandenburger Tor, die Ziellinie. In 4:24 Stunden hat sie es geschafft – Gold in ihrer Altersklasse. Angst, nicht durchzuhalten, hatte sie keine Minute. Einen starken Willen und Selbstvertrauen hat sie ein Leben lang trainiert. Vier Kinder zog sie groß, schlechte Laune kennt sie nicht. Anitas Motto heißt: „Ich kann das gut. Ich habe einen frohen Mut.“

EVELYN GUNDLACH, 90

Als Zocker-Oma erobert sie Herzen
Mit ihren karottenroten Haaren und der Berliner Schnauze ist Evelyn ein echtes Original. 51 Jahre lang hat sie Mode genäht und drei Töchter allein großgezogen. Sie findet: „Wer alles heiter nimmt, lebt lange.“ Heute testet sie auf YouTube bei „Senioren zocken“ die neuesten Computerspiele. Mal kämpft sie sich als Ritter durch Wunderwelten, mal fährt sie im Formel-1-Auto. Soll’s links um die Kurve gehen, drückt sie rechts. Will sie vorwärtsfahren, schaltet sie in den Rückwärtsgang. „Es fasziniert mich, dass die Kids gucken, schalten, drücken, alles gleichzeitig können.“ Den Kids hingegen gefällt es, dass Evelyn das nicht perfekt kann. „Megawitzig“, „Coolste Oma ever“, schreiben sie in die Kommentare. 750.000 Abonnenten hat der Kanal. Geht Evelyn aus dem Haus, dann nie ohne Autogrammkarte. „Das Selfie reicht nicht mehr.“

Zocken gegen die Einsamkeit
Fortan will sie für ihre Altersgenossen kämpfen, damit Games und Konsolen in jedes Pflegeheim einziehen. Evelyn sagt: „Das Zocken fordert Geist und Motorik.“ Jeder könne mitmachen, selbst der Bettlägerige. „Und weil jeder mit jedem spielen kann, muss keiner mehr einsam sein.“


Respekt für diese inspirierenden Persönlichkeiten! Wenn auch du mit dem Gedanken spielst, das Gaspedal deines Lebens noch einmal ordentlich durchzudrücken, dann mach dich bereit. Hier kommen drei smarte Ratschläge für deine ersten Schritte – einfach durchlesen, verinnerlichen und Abfahrt in dein neues Abenteuer!

3 Tipps für den Neubeginn
Inga Banati, Expertin für Transformation und Selbstverwirklichung

1. HÖR AUF DEIN HERZ
Dein Neustart im Leben braucht eine Vision, die dich begeistert und entflammt. Weite deinen Geist und erlaube dir, groß zu denken. Halte Wunder für möglich. Sieh dein Ziel vor dir und spüre, wie es sich anfühlt, wenn du es erreicht hast. Verankere diese Vorfreude in deinem Bewusstsein. Dies ist dein Antrieb für den Weg dorthin.

2. RICHTE DICH AUS
Setze dir Zwischenziele und tue konsequent jeden Tag etwas für deine Vision. Umgib dich mit Menschen, die dort sind, wo du hinmöchtest. Lass dich von ihnen inspirieren und fülle Körper, Geist und Seele immer wieder neu mit Energie.

3. GLAUBE AN DICH
Vertraue dir und geh unbeirrt deinen Weg. Bestärke dich selbst mit einem positiven inneren Selbstgespräch. Sieh Zweifel und Ängste als ganz normale Begleiter. Sie zeigen dir, dass du auf dem Weg deines Herzens bist. Glaube an deine Fähigkeiten, feiere deine Erfolge und sieh Rückschläge als Einladung zum Wachstum. Meist liegt hinter einer Hürde ein großes Geschenk.

Mehr zur Arbeit von Inga Banati gibt es auf Instagram @ingabanati und auf ibanati.de.

Auch du hast einen Neubeginn gewagt? Teilen deine Geschichte gerne in den Kommentaren mit uns! Wir freuen uns darauf.