Das Thema Wechseljahre ist ein sensibles – das wissen wir in der Victoria Redaktion besonders gut, weil wir uns viel damit beschäftigen. Aber trotz der Angst oder der Vorbehalte, die wir bei einigen Frauen entdecken, ist es uns ein Anliegen, offen darüber zu reden. Denn wenn wir die Hintergründe kennen, können wir viel leichter damit umgehen. Außerdem fühlen wir uns nicht allein! Aus diesem Grund haben ich – Bianka aus der Victoria Redaktion, bei der Gynäkologin und Buchautorin Dr. med. Sheila de Liz angeklopft und ihr unsere Fragen mitgebracht.

Bianka: In welchem Alter kommt man gewöhnlich in die Wechseljahre?

Sheila de Liz: Das Alter, wann man in die Wechseljahre kommt, ist wie der Eintritt in die Pubertät sehr individuell. Im Allgemeinen aber ist es so, dass sich die ersten Anzeichen der Wechseljahre mit Anfang 40 ab und zu bemerkbar machen können. Mit Mitte 40 können sich schon dann auch häufiger Symptome zeigen, die sich bis zum 50. Lebensjahr und darüber hinaus entwickeln. Insgesamt erstrecken sich die Wechseljahre über sechs bis zehn Jahre.

Bianka: Welche Anzeichen für den Beginn der Wechseljahre bei Frauen können auftreten?

Sheila de Liz: Hier ist die Vielfalt groß! Wechseljahre sind individuell von der Natur auf jede Frau zugeschnitten. Anfänglich kann es sein, dass die Periode häufiger kommt als gewohnt, zum Beispiel alle 20 statt alle 28 Tage. Manche Frauen haben mehr PMS-Symptome und unregelmäßige oder sehr starke Blutungen. Einige bekommen ihre Periode vollkommen normal, haben dann aber ganz andere Symptome, die niemand direkt mit den Hormonen in Verbindung bringt, wie Depressionen, Herzrhythmusstörungen oder Migräne. Eine regelmäßige Periode ab Mitte 40 schließt also keinesfalls die Wechseljahre aus, gerade wenn neue gesundheitliche Probleme scheinbar aus dem Nichts auftauchen.

Bianka: Welche Symptome beziehungsweise Wechseljahresbeschwerden sind üblich?

Sheila de Liz: Die Top Fünf der Wechseljahresbeschwerden sind Hitzewallungen, Schlafstörungen, Depressionen, Schmerzen beim Intimverkehr und Harninkontinenz. Aber die Liste der möglichen anderen Symptome ist sehr lang – das liegt daran, dass fast alle Organe des Körpers Hormonrezeptoren an ihrer Zelloberfläche haben. Das sind kleine „Arbeitsstellen“ für Hormone, an denen sie andocken und verschiedene Prozesse in den Zellen veranlassen. Wenn diese Impulse an den Zellen fehlen, können also viele weitere Beschwerden auftreten, zum Beispiel Muskel- und Gelenkschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenprobleme, Hautprobleme, Allergien, ein Reizdarm oder Autoimmunerkrankungen. Praktisch jede neue Erkrankung in dieser Zeit kann hormonell ausgelöst oder zumindest in seiner Ausprägung unterstützt worden sein.

Bianka: Wird die Periode nie mehr einsetzen?

Sheila de Liz: Wenn die Periode für ein Jahr verschwunden ist, spricht man von der Menopause – davor nicht! Wenn die letzte Periode neun oder zehn Monate her ist, glauben viele Frauen, dass es bei ihnen schon „rum“ ist. Das ist aber nicht immer der Fall, denn bei vielen tritt die Blutung dann doch noch ein. Das darf sein und ist normal.

Bianka: Was kann ich bei Wechseljahresbeschwerden tun?

Sheila de Liz: Hier gibt es verschiedene Ideologien und Ansätze, aber alleine aus medizinischer Sicht zur Prävention von Krankheiten im Alter empfehle ich, sich kompetente Hilfe bei jemandem zu holen, der sich mit Hormonen auskennt. Das sollte im Idealfall der Frauenarzt oder die Frauenärztin sein. Niemand sollte unbegleitet durch die Wechseljahre gehen!

Dr. med. Sheila de Liz
Die gebürtige Amerikanerin zog mit 15 Jahren nach Deutschland und hat in Mainz Medizin studiert. Seit 2006 führt die Gynäkologin eine Frauenarztpraxis in Wiesbaden. In ihren Büchern „Unverschämt – Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“ und „Woman on fire“ klärt sie über den weiblichen Körper auf und versucht Missverständnisse zu beseitigen. Sehr begehrt sind außerdem ihre Aufklärungsvideos in den Sozialen Medien – und das nicht nur bei Frauen in der Lebensmitte!

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