Blasenschwäche: Frauen, wir müssen – und wir dürfen – über dieses Thema reden. Denn die Harninkontinenz betrifft viele Frauen ab 40 Jahre und ist trotzdem bei den meisten mit Angst und Scham behaftet. Doch die Gynäkologin und Buchautorin Dr. med. Sheila de Liz holt die Blasenschwäche aus der Tabuzone und hat mit Sabine aus der Victoria Redaktion über Ursachen und Behandlungsmethoden gesprochen.

Sabine: Wie viele Frauen kommen im Schnitt aufgrund von Erfahrungen mit Blasenschwäche zu Ihnen?

Sheila de Liz: Blasenschwäche ist ein großes Thema. In meiner Praxis erlebt jede dritte Frau über 40 gelegentlich bis regelmäßig das Problem. Ab 50 ist es bereits jede zweite Frau.

Sabine: Was sind die Ursachen für Blasenschwäche?

Sheila de Liz: Oft ist Blasenschwäche auf ein Problem mit dem Halteapparat der Harnblase, zum Beispiel die Bänder oder den Beckenboden, zurückzuführen. Auch eine Schwäche des Harnröhrenverschlusses oder eine zu aktive Harnblase, weil Dauerreize die Harnblasenwand geschädigt haben, können die Ursache sein. Letzteres ist beispielsweise der Fall, wenn man dauernd Blasenentzündungen hat, welche die Blasenwand angreifen.

Sabine: Wie äußert sich eine Blasenschwäche? Frauen erleben sie ja durchaus verschieden.

Sheila de Liz: Man unterscheidet grob drei Formen der Harninkontinenz:

  • Stressinkontinenz, bei der Frauen beim Lachen, Husten, Niesen oder auch schon beim Aufstehen und Laufen Urin verlieren,
  • Dranginkontinenz, bei der Betroffene beim ersten Harndrang schleunigst eine Toilette aufsuchen müssen, weil sie sich sonst innerhalb von Sekunden in die Hose machen,
  • Mischinkontinenz, welche – wie der Name schon sagt – eine Mischung aus beiden Formen ist.

Sabine: Welche Tipps & Tricks kennen Sie, die das Leben mit Blasenschwäche erleichtern können?

Sheila de Liz: Jede Blasenschwäche ist behandelbar. Manche lassen sich leicht behandeln, andere sind langwieriger und komplizierter. Wichtig ist es, fachkompetente Hilfe heranzuziehen. Viele machen den Fehler, in Eigenregie einfach Beckenbodentraining zu Hause zu machen. Wenn das nicht funktioniert, gehen viele zu ihrem regulären Gynäkologen, was auch unzufriedenstellend sein kann, wenn dieser nicht auf Kontinenz spezialisiert ist. Ich empfehle daher, sich ein Team aus Blasenschwächeexperten zusammenzustellen – bestehend aus Urogynäkolog:in oder Urolog:in und einem/er spezialisierten Physiotherapeut:in, die sich eingehend mit dem Beckenboden befasst. Außerdem darf man offen mit seinem Problem umgehen und es nicht vor Freundinnen, der Familie oder gar dem eigenen Ehemann verheimlichen.

Sabine: Wie finden Betroffene den für sich richtigen Schutz?

Sheila de Liz: Es gibt für jede Form der Harninkontinenz den richtigen Schutz. Hierbei ist es wichtig, den Blick in der Drogerie hin auf die Blasenschwäche- und weg von Monatshygieneprodukten zu richten. Vielen Frauen – ich vermute den meisten – ist es peinlich, mit Blasenschwächeartikeln an der Kasse zu stehen. Sie kaschieren deshalb ihre Inkontinenz, indem sie Slipeinlagen und Binden kaufen. Dabei gibt es Produkte, die um ein Vielfaches besser geeignet sind als herkömmliche Einlagen für die Periode. Denn Urin ist nicht Blut und muss anders gemanagt werden.

Sabine: Wie viele Frauen wenden sich aufgrund ihrer Blasenschwäche tatsächlich an ihren Arzt?

Sheila de Liz: Hier ist die Dunkelziffer sicherlich höher als wir vermuten. Ich frage meine Patientinnen immer direkt und bin oft überrascht, welche Antworten kommen. Manche tragen ihre Harninkontinenz schon lange mit sich rum oder haben ihr Leben danach ausgerichtet.

Sabine: Was ist ihren Patienten bei Inkontinenzprodukten besonders wichtig beziehungsweise worauf achten sie am meisten?

Sheila de Liz: Sicherlich will keine Frau das Gefühl haben, dass sie eine „Windel“ trägt. Denn das wäre auch emotional schwer zu ertragen. Daher ist neben der Einlagendicke auch die Diskretion enorm wichtig. Ist sie von außen sichtbar, wenn man zum Beispiel einen engen Rock anhat? Kann ich sie auch mit Leggings beim Yoga tragen? Kann man sie unproblematisch in der Handtasche transportieren? Außerdem ist es Frauen wichtig, dass das Produkt nicht nur gut Urin aufnehmen kann, sondern man ihn auch nicht riecht.


Sabine: Worauf sollte man bei der Wahl von Inkontinenzprodukten noch achten?

Sheila de Liz: Man sollte beachten, dass die angegebene Menge auf der Produktpackung dem entspricht, was man tatsächlich an Urin verliert. Außerdem ist eine gute Urinaufnahme-Technologie der Einlage unerlässlich. Urin ist ja wie Wasser und nimmt gerne den Weg des geringsten Widerstandes. Bezogen auf die Unterhose heißt das, dass Wasser gerne an den Rändern links oder rechts runterlaufen möchte, ähnlich wie, wenn ein Glas Wasser auf einer Tischdecke umkippt. Daher muss die Einlage so gestaltet sein, dass die Ränder besonders gut Urin aufnehmen.

Sabine: Was empfehlen Sie für den Umgang mit Blasenschwäche?

Sheila de Liz: Nicht den Kopf in den Sand stecken und auch nicht verzweifelt resignieren – in der heutigen Zeit gibt es viele Möglichkeiten für die moderne Frau, sich Hilfe zu holen! Alleine die Tatsache, dass es schwarze Inkontinenzslips gibt, die zuverlässig ihren Job „inkognito“ erledigen und dabei noch unter dem kleinen Schwarzen schick aussehen – das ist ein Riesenfortschritt für betroffene Frauen und hilft das Thema Blasenschwäche zu modernisieren.

Sabine: Wie können Frauen trotz Blasenschwäche ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen?

Sheila de Liz: Die Frage muss anders gestellt werden: Welche von den vielen tollen Lösungen wende ich an, wenn ich tanzen, klettern, auf ein Date oder in Catsuit zum Karneval gehen will, damit meine Harninkontinenz keine allzu große Rolle spielt oder sogar gänzlich vergessen werden kann?

Sabine: Haben Sie den Eindruck, Ihre Patientinnen reden schambefreit über ihre Blasenschwäche? Frauen scheuen sich ja in der Regel nicht, über Gefühle zu sprechen.

Sheila de Liz: Leider noch nicht. Mit mir können sie schon offen sprechen, aber sonst wird es gerne verschwiegen.

Sabine: Wieso denken Sie, ist Blasenschwäche immer noch ein so tabubehaftetes Thema? Was denken Sie, müsste sich hier ändern?

Sheila de Liz: Die Einzigen, die Urin verlieren, sind Babys und alte Menschen. Wir haben ja schon früh gelernt, dass es wichtig ist, aufs Töpfchen zu gehen, und dass nur „Babys in die Hose machen“. Die Angst aus der Kindheit, ausgelacht zu werden, weil wir in die Hose gemacht haben oder Bettnässer waren, sitzt sehr tief. Blasenschwäche wird daher oft als entwürdigend und Beweis, dass man alt ist und sein Leben nicht unter Kontrolle hat, empfunden. Um Frauen zu unterstützen, ist es sehr wichtig, Blasenschwäche von seinem unmodernen Image zu befreien. Sie kann schließlich jeden treffen und es gibt Hilfe. Das Schlimmste, was man tun kann, ist darüber zu schweigen.
Denn wer seine Blasenschwäche ablehnt, kultiviert ein Schamgefühl, anstatt seinen weiblichen Körper mit allen Facetten anzunehmen: Ob Geburt oder körperliche Arbeit – jede Erfahrung im Leben hinterlässt Spuren, für die sich keine Frau schämen muss.


Dr. med. Sheila de Liz
Die gebürtige Amerikanerin zog mit 15 Jahren nach Deutschland und hat in Mainz Medizin studiert. Seit 2006 führt die Gynäkologin eine Frauenarztpraxis in Wiesbaden. In ihren Büchern „Unverschämt – Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“ und „Woman on fire“ klärt sie über den weiblichen Körper auf und versucht Missverständnisse zu beseitigen. Sehr begehrt sind außerdem ihre Aufklärungsvideos in den Sozialen Medien – und das nicht nur bei Frauen in der Lebensmitte!

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Niemand sollte wegen einer Blasenschwäche auf das bunte, volle Leben verzichten. Denn die ALWAYS Discreet Einlagen oder ALWAYS Discreet Slipeinlagen bei Blasenschwäche sorgen beispielsweise für einen optimalen Schutz. Beide Einlagen sind nicht nur ultradünn und dermatologisch getestet, sondern neutralisieren auch Gerüche. Wer dagegen größere Mengen Urin verliert, greift zu den ALWAYS Discreet Inkontinenzeinlagen Plus, die auch bei einer stärkeren Blasenschwäche Sicherheit bieten. Frauen, die dagegen das Einkleben in den eigenen Slip nicht mögen, können auch die ALWAYS Discreet Underwear Höschen ausprobieren.

Was müsste deiner Meinung nach, getan werden, um das wichtige Thema Blasenschwäche noch stärker aus der Tabuzone zu holen? Wir freuen uns über deine Vorschläge in den Kommentaren.