Das Leben zu vertiefen ist bereichernd. Dafür benötigt man nicht mal viel – nur die richtige Einstellung. Davon ist unsere Botschafterin Nina Ruge überzeugt. Nicht nur ein Waldspaziergang, selbst das Ausräumen des Geschirrs kann belebend sein. In ihrer Victoria Kolumne Ninas Gedanken verrät sie uns mehr zum Thema Achtsamkeit.

Liebe Victoria Freundinnen, die beiden Begriffe Achtsamkeit und Entschleunigung sind wie rohe Eier. Man muss mit ihnen behutsam umgehen. Sonst gehen sie kaputt. Beide sind großartige Sensoren für das wertvolle Geschenk des Lebens, und beide verlieren an Magie, wenn wir zu oft über sie reden. Achtsamkeit und Entschleunigung sind Kraftquellen, die dann auf „On“ geschaltet werden, wenn wir sie leben. Die beiden mögen es übrigens sehr, wenn frau sie nicht auf den Sockel stellt. „Ui – Achtsamkeit, Entschleunigung, das ist eine ganz große Kunst, das können nur Fortgeschrittene, das braucht Übung und Erfahrung!“ So was finden die beiden arrogant. Sie sagen: „Komm näher! Fühle uns, probiere uns aus! Bei jeder von euch fühlen wir uns ganz schnell zu Hause, und bei jeder wird es anders sein.“

Für mich beginnt Achtsamkeit gleich am Morgen, bevor ich aufstehe. Ich gehe auf nächtliche Spurensuche: Was hat mein Traum-Ich mir da serviert? Oft habe ich eine Idee, worum es ging, zumindest im Kern. Oft sind da Bilder und Gefühle der Sorte: „Da hast du dir mal wieder so einiges aufgepackt. Schaffst du das?“ Ich schau mir das an, und dann lächele ich. Wirklich, ich liege im Bett und lächele! Und dann sage ich meinem Traum-Ich: „Klar möchte ich das schaffen. Und wenn nicht? Geht die Welt nicht unter.“ Und wieso nicht? Weil da dieses große Geschenk ist, und ich bin dankbar dafür, mache das Beste draus. Jeden Tag – und mit der größten Freude: das Geschenk des Lebens.

Diese wundervolle Wärmflasche für die Seele, sie rutscht sehr leicht weg. Im Wirbelsturm der Alltagspflichten landet sie achtlos in dunklen Ecken des Vergessens. Das geht natürlich nicht! Gib ihr Raum und Aufmerksamkeit, dann wärmt sie dich liebevoll von innen. Das Geschenk des Lebens zu spüren, braucht nichts als Raum und Aufmerksamkeit. Ich lehne mich gerne an einen Baum, schalte mein Gedankenkarussell aus, mache Platz für das Wohlgefühl, lebendig zu sein. Ich stehe vom Schreibtisch auf, gieße mit Hingabe meine Pflanzen, kraule Hund und Katze und mache mir bewusst, was für ein Privileg diese fünf Minuten sind. Ich räume die Geschirrspülmaschine aus: aufmerksam und mit Hingabe. Ja! Ich leere die Spülmaschine mit Hingabe – und ich habe keinen Spleen! Mit dieser Hingabe entsteht Tiefe. Ich nehme intensiv jeden Augenblick des Lebens wahr. Ich mache das ja nicht den ganzen Tag. Aber ich mache das so, als ob jede Sekunde meines Lebens die wertvollste wäre. Natürlich gelingt mir das nicht immer. Doch dann, wenn es gelingt, fühle ich tiefen Frieden und wärmende Freude. Ihr versteht, was ich meine, oder? „Ruhe zieht das Leben an – Unruhe verscheucht es.“ So drückt es Gottfried Keller aus.

Wie bringst du mehr Achtsamkeit in dein Leben? Verrate es der Victoria Community gern in den Kommentaren. Wir freuen uns darauf!